Neun Freunde und der
Ring der Macht.
Teil IV
© Frank Weinreich
An den Klippen, die hinunter
zum Sumpf führten war ein langgezogener Schrei zu hören und
das Geräusch eines heftigen Aufschlags. Oh je, das sieht
nicht gut aus Kinder. Ein Sturz aus solcher Höhe, auweia!
Aber was ist das? Da kommt ja schon ein Krankenwagen. Es
wird bestimmt alles wieder gut. Schauen wir also erst
einmal was die anderen so machen.
I
Die Orks, die Pippin und
Diamond gefangen genommen hatten, rasteten an den Rändern
eines großen dunklen Waldes. Und sie waren wütend, sehr
wütend! Denn sie hatten eigentlich den Auftrag auf direktem
Weg zu Ihrem Herrn zu laufen und dieser Weg führte mitten
durch den Wald. Doch am Waldrand stießen sie auf eine
Gruppe von Menschen und Elben, die ihnen den Durchmarsch
verwehrten. Die Leute hatten sich unter großen Bannern
versammelt und sangen. Die Banner zeigten leuchtende
Regenbogen und trugen die Aufschrift "Grünfrieden". Elben
wie Menschen hatten sich mit Handschellen an die Bäume
gekettet und sangen "Mein Freund der Baum ist tot." Die
Orks haderten und bettelten, aber gegen den ehernen Willen
der Grünfriedentruppe kamen sie nicht an. Und deshalb waren
sie so wütend, denn Orks sind zwar eines gepflegten
Meinungsaustausches genauos zugänglich wie Du und Ich - man
muss nur ihre Sprache zu sprechen wissen. Aber diese
langhaarigen Elben und Menschen in ihren lila Latzhosen und
wollenen Wickelröcken - die hatten eine Art, mit der
umzugehen die Orks nicht gelernt hatten.
Also waren sie wütend ... aber auch unaufmerksam, so dass
sie nicht bemerkten, dass Diamond sich ihrer Fesseln
entledigt und Pippin befreit hatte. Die beiden hatten
zunächst große Furcht gehabt, als die Orks sie entführten
und keiner der Gefährten einen Finger zu ihrer Hilfe zu
rühren schien. Aber gar so schlimm war es dann doch nicht
geworden, denn es stellte sich heraus: Die Orks tun gar
nix, die wollen nur spielen ... Und die beiden zu einem
ominösen Herrn bringen, über den die Hobbits nur erfuhren,
dass eine weiße Hand sein Zeichen war. Dass sie nun dennoch
flüchteten, war aber auch nötig. Denn, liebe Kinder, habt
fein acht - es gibt auch schlimme Spiele. Spiele, die man
nicht mitspielen darf. Und die Orks, die wollten
Doktorspiele machen! Nein, nein - man macht keine
Doktorspiele mit Fremden ... zumindest nicht mit Orks,
uärks! Also flüchteten unsere Hobbits und in der
Dunkelheit, die sich inzwischen auf Mittelerde gesenkt
hatte, gelang es den beiden Kleinen auch problemlos,
zwischen den Leuten von Grünfrieden hindurch zu huschen.
Was Pippin und Diamond im Wald passierte, davon erzählt
noch heute ein uraltes Lied, das zu den großen
Heldenballaden von Mittelerde gehört:
»Pippin und Diamond gingen in den Wald, /
Da war es finster und auch so bitter kalt. /
Sie kamen an ein Häuschen aus Blattwerk und Gezweig/
Wer mag der Herr wohl in diesem Häuschen sein?
Da steckt ein alter Ent den Kopf heraus ...«
II
Doch wir wollen uns jetzt den
tapferen Verfolgern zuwenden, liebe Kinder, und sie aus der
nunmehr ein Jahr dauernden Hocke befreien, in die sie sich
beim Verstecken vor den Reitern im Grasland begeben hatten.
Langsam und stöhnend lösten sie ihre ihre verkrampften
Glieder. Sie humpelten aus dem Gebüsch. Noch kaum in der
Lage, auf eigenen Füßen zu stehen, hielt Aragorn
stellvertretend für die Gruppe im Trampergruß den Daumen
heraus. Überrascht zügelten die heransprengenden Reiter
ihre Pferde. Dann stürmten alle im Galopp los und schlossen
einen Kreis um Aragorn, Martha und Legolas. Wie auf ein
Kommando richteten sich alle Pferde auf der Hinterhand auf,
dann sanken die Vorderleiber wieder nieder und die Reiterei
fiel snychron in eine Galoppirouette, wechselte mit
traumwandlerischer Sicherheit in eine Piaffe und schloss
das ganze mit kreisenden Traversalen um unsere drei Helden
ab, die in begeisterten Applaus verfielen. Ja, sie konnten
wirklich gut reiten, die Reiter der Mark!
Schließlich hielt die Éored, denn um eine solche handelte
es sich natürlich, und ihr Anführer fragte: "Wer seid Ihr
und was wollt Ihr in der Mark?"
"Wir sind auf der Suche nach Gefährten von uns, die von
einer Gruppe von Orks durch euer Land geschlappt worden.
Ich bin Aragorn, Arathorns Sohn und das sind die edle
Martha und Legolas, ein Elb aus den Waldlanden. Mit wem
habe ich die Ehre?"
"Éomer, Éomunds Sohn bin ich, Dritter Marschall der Mark
und Führer dieser Éored bis der Zweite Marschall wieder
wohl auf ist."
"Was ist dem Zweiten Marschall passiert?"
"Wir trafen gestern am Rande Fangorns auf eine Gruppe von
Orks und es dünkt mich, als könnten es wohl die sein, die
Ihr sucht. Es müssen um die hundert gewesen sein und sie
waren unter dem Zeichen einer Weißen Hand versammelt; ein
Zeichen das nur Böses verheißen kann, wenn ein Kriegstrupp
der Orks es trägt. Nicht zu dulden dies Gezücht, ist Gesetz
in der Mark. Doch hatten sie sich, soweit wir es wissen
konnten, nichts zu Schulden kommen lassen, so dass wir sie
nur zu einem Gottesgericht in Form eines Wettkampfes
fordern durften, welcher ihr Bleiben oder Gehen bestimmen
würde."
"Was tatet Ihr?" fragte Martha voller Spannung.
"Wir forderten sie zu einem Polomatch. Und wie immer war
der zweite Marschall der Mark, Prinz Charles, unser
Spielführer. Natürlich gewannen wir - was auch daran liegen
mag, dass die Orks keine Pferde hatten, aber das ist
schließlich nicht unsere Schuld. Unglücklicherweise bekam
Charles einen Schlag auf den Kopf, der so heftig war, dass
selbst seine ausladenden Ohren den Helm nicht mehr halten
konnten. Der Helm rutschte ihm über die Augen und derart
ohne Sicht fiel er vom Pferde und brach sich einen Arm."
"Ihr habt mein Mitgefühl.", sagte Aragorn und fragte
sodann, "Prinz Charles? Von dem habe ich noch nie gehört,
obwohl ich dereinstens manches Mal Gast in eures Königs
Halle war."
Éomer: "Äh ja, das ist so eine Sache. Nun ... schau Dir die
Pferde an, ihre Kraft und Anmut! Siehe das Land, die
wogenden Gräser und schwellenden Hügel, erinnre Dich des
Glanzes auf dem Dach von Meduseld." Er blickt zu Legolas,
"Wir lieben die Schönheit nicht weniger als es die Elben
tun." Er blickte wieder zurück auf Aragorn und verzog ein
wenig das Gesicht, "Und deshalb sind Charles und seine Frau
bei Hofe auch ... ääh ... nicht so oft gesehene Gäste."
"Aber was wurde aus den Orks?", unterbrach Legolas
ungeduldig die Konversation.
"Und was aus den Hobbits?", fiel Martha ein, "Es sind
kleine Leute, die wie Menschenkinder für Eure Augen
ausgesehen hätten."
"Von Hobbits weiß ich nichts und Kinder sahen wir nicht.",
antwortete Éomer da, "Doch die Orks verließen die Mark mit
hängenden Köpfen Richtung Osten. Wenn Ihr möchtet,
überlassen wir euch welche von unseren Reservepferden. Die
sind zwar nur für die halbe Geschwindigkeit zugelassen,
doch mögen sie Euch allemal reichen, die Brut einzuholen
und sie auf das Schicksal Eurer Freunde hin zu
inquirieren."
So nahmen denn unsere Helden das großzügige Angebot an und
ritten ängstlich gen Norden. Ängstlich, denn die Sorge um
Pippin und Diamond war nur noch größer geworden ob der
Nachricht, dass sie nicht mehr bei der Entführergruppe
waren. Am späten Nachmittag erreichten Sie den Waldesrand,
der sich stumm und drohend vor ihnen erhob. Zu sehen war
nichts und niemand mehr, denn die Grünfriedentruppe hatte
wie immer vorbildlich aufgeräumt und sämtlichen Müll mit
nach Hause genommen. Ratlos schritten die Drei auf den Wald
zu.
"Fangorn!", sagte Aragorn, "Kein Wald gleicht diesem mehr."
"Ja," stimmte Legolas zu, "dieser Wald ist alt."
"Was sollen wir nun machen?" fragte Martha.
"Weitersuchen!" kommandierte Aragorn und führte die Gruppe
in den dunklen Tann ...
III
Doch wenden wir uns wieder gen
Osten und weiteren schicksalhaften Ereignissen zu.
Es ist mittlerweile stockdunkel am Fuße der Klippen, die
Frodo und Rosie hinabgeklettert bzw. -gefallen waren. Oben
in der Wand aber waren nun zwei blass glühende Punkte zu
sehen. Waren es Augen, die sich in das vollkommene Dunkel
auf dem Boden richteten? Lauschten dort Ohren dem Jammern,
das von unten heraufklang? Da flammte dort am Boden eine
Fackel auf und die Augen verschwanden. So konnten sie auch
nicht mehr sehen, dass Frodo Rosie mit schmerzverzerrtem
Gesicht die linke Hand entgegen hielt.
"Au, argh, auaaaa."
Rosie ließ sich von Frodos Stöhnen jedoch wenig
beeindrucken. "Selbst schuld, ich habe kein Mitleid."
"Aber Rosie," stöhnte Frodo weiter, "die Hand ist betimmt
gebrochen, wenn nicht sogar verstaucht."
"Hättest du mitgedacht, dann wüssten wir das jetzt", fuhr
Rosie ihm in die Parade, "Der Krankenwagen war ja hier.
Röntgen, Aspirin gegen die Schmerzen, vielleicht sogar die
Aufnahme in einem schönen Zweibettzimmer. Das alles hättest
du haben können. Männer! Gehen ohne Geld auf eine
Weltreise. Das hast Du nun davon. Es gibt eben keine
Behandlung ohne Praxisgebühr. Aber halt, was ist das? Da
drüben in der Felswand!"
"Häh?", machte Frodo, die linke Hand weiter zitternd
ausgestreckt.
"Das ist doch dieser Gollum. Schlangen und Nattern!",
zischte Rosie, "Wenn man sich vorstellt, dass ich geglaubt
habe, ein Jahr des Rumhängens hätte ihn von unserer Spur
abgebracht ... Da, schau dir das an! Wie eine scheußlich
krabbelnde Made auf einem Blatt."
Und tatsächlich, auf der Vorderseite einer Berglehne,
krabbelte eine kleine, blässliche Gestalt ungelenk, aber
trittsicher die Klippen hinab. Gollum! Er kletterte mit dem
Kopf voran, ganz als röche er seinen Weg die steile Wand
hinab oder als befände er sich auf einer Spur, einem
Bluthunde gleich.
"Glaubst du er kann uns sehen?" fragte Frodo mit
leiderfüllter Stimme.
"Nein, aber er kann dich ganz vorzüglich jammern hören;
dummerweise dienen die Elbenmäntel nicht als Schalldämpfer
für wehleidige Hobbits."
"Du bist gemein!"
"Nein, Realistin."
"Ich wollte, du wärst bei den andern geblieben und hättest
mich allein ziehen lassen."
"Dich alleine ziehen lassen? Einen Mann? Dann wärest du
wahrscheinlich nicht einmal bis hierher gekommen,
geschweige denn durch das da hindurch", Rosie zeigte hinaus
in das Dunkel, in dem der Sumpf lag, "oder gar nach Mordor
hinein. Und wo bliebe die Welt dann? Was meinst Du wer wohl
den Ring hier gefunden hätte, wenn Du dir beispielsweise
gerade den Hals gebrochen hättest? Und was wird dann aus
dem Auenland? Und aus Sam? Und Bilbo in Bruchtal?"
Rosie redete sich sichtlich in Rage und Frodo schien wieder
den Tränen nahe zu sein ob der Schelte, die über ihn
hereinbrach. Da unterbrach eine zischende Stimme Rosies
Tirade. "Tu ihm nicht weh! Lass nicht zu, dass sie ihm weh
tut, Schatz! Sie wird dem Herrn doch nicht weh tun, nein?
Habt keine Angst guter Herr, Smeagol hilft gutem Herrn."
Es war Gollum. Unbemerkt hatte er sich den Hobbits
genähert, den Streit belauscht und umschmeichelte nun
Frodo, um dessen Gunst zu gewinnen. Er ging ihm um die
Beine wie eine Katze ihrem Herrchen und rieb sich die Hände
und bückte den Nacken, wenn Frodo ihn ansah. Für Rosie aber
hatte er hinterrücks nur triumphierende Blicke und ein
böses Lächeln übrig. Und immer wieder zuckte sein Blick
suchend zu Frodo, als taste er ihn mit den Augen ab, auf
der Suche nach etwas ...
Oh je liebe Kinder, was bahnt sich da bloß an? Wird Rosie
sich beruhigen? Wird Frodo erkennen wer seine wahren
Freunde sind? Wird Gollums Spiel durchschaut werden? Das
werden wir sehen, wenn wir wieder hierhin zurückschalten.
IV
Doch nun wollen wir die drei
erst einmal verlassen und sehen, was ... Ja, wohin wollen
wir unsere Aufmerksamkeit richten? Überall spitzen sich die
Ereignisse schließlich zu ...
Ach, Ihr fragt Euch wie ich das mache? Wie ich überhaupt
mitbekomme, was unseren über Mittelerde verteilten Helden
passiert? Ganz einfach, ich habe hier diesen
Reise-Palantir. Es ist das allerneueste Modell mit GSM,
UMTS und WLAN und läuft unter Windows Mobile ... weshalb
man es manchmal rebooten muss und ... Oh je, die
Reset-Taste ist schon ganz locker. Aber ... da kommt er
wieder, fein, fein ...
Gut, dann schaun wir doch mal, was wir da sehen ... ja,
hier - Aragorn, Martha und Legolas sind im Fangorn
unterwegs
... und schlichen sich gerade um ein Dickicht herum.
Spannung erfüllte die stickige Nachtluft! Aragorn hatte
sein Schwert gezogen, in Marthas Händen lagen die bewährten
Äxte und Legolas hatte vier Pfeile auf einmal auf die Sehne
gelegt. Sie hatten vor ein paar Herzschlägen einen Mann
erspäht, der in einen weiten Umhang gehüllt war und sein
Haupt mit einem breitkrempigen spitzen Hut bedeckt hielt.
Und diese merkwürdige Gestalt kam genau aus jener Richtung
auf sie zu, in die die schwachen Spuren der Hobbits
verliefen. Sie konnten sein Gesicht nicht sehen, dennoch
glaubten sie, ein Funkeln scharfer Augen unter den von der
Krempe beschatteten Brauen gesehen zu haben. Die
schweigende Gestalt kam immer näher.
"Jetzt" rief Martha. "Halte ihn auf Legolas!"
"Legt den Bogen weg, Herr Elb!" dumpf und doch
durchdringend und zwingend klang des beschirmten Mannes
Stimme und Bogen und die vier Pfeile fielen Legolas aus den
Händen, seine Arme hingen plötzlich schlaff herab. Auch
Martha und Aragorn sahen sich nicht in der Lage,
irgendetwas tun zu können.
"Gut, dass ich euch treffe", sagte der alte Mann, denn alt
war er wirklich, wie sie nun sehen konnten. Alt, müde, doch
immer noch Ehrfurcht gebietend sowie vage vertraut erschien
er ihnen. Und Aragorn dämmerte es als erstem: "Gandalf?
Gandalf!, GANDALF!!!" Das brach den Bann und die drei
liefen von freudiger Erregung, die allen Uglauben
unterdrückte, angetrieben auf den alten Gefährten und
Mentor zu.
"Gandalf", widerholte der Alte. "Ja, das war der Name. Ich
war Gandalf."
"Was ist Dir passiert, alter Freund", fraget Aragorn. "Wir
gaben Dich für mit Sicherheit verloren, als wir sahen, wie
du in die Klauen der Mautbürokraten in Moria gerietest."
"Ich bin durch Berge von Formularen und durch tiefe
Gesetzesbestimmungen gegangen seit ich von euch getrennt
wurde. Abmahnungen schleuderten sie auf mich und
Unterlassungserklärungen ohne Zahl musste ich
unterschreiben, während gebührenpflichtige Verwarnungen auf
mich herabprasselten. Ich wanderte lange unter dunklen
Vollstreckungsbescheiden ehe ich zurückgeschickt wurde. Und
wahrlich, es erfüllte mich nach diesem Erlebnis mit Furcht,
wieder zurückkehren zu müssen. Doch die anderen standen
nicht zur Verfügung und einer muss es tun." Der alte
Wanderer senkte traurig das Haupt und nahm den Hut ab, um
sich den Kopf zu kratzen. Und siehe - seine Haare waren
völlig weiß geworden ob der Schrecknisse, denen er
ausgesetzt war.
"Abmahnungen? Bescheide? Du musst was tun? Von welchen
anderen redest du?" fragte Legolas vollkommen
verständnislos.
"Nach den anderen fragst Du?" antwortete Gandalf, sein
schlohweißes Haupt wieder bedeckend. "Nun, wir Zauberer
wurden vor langer Zeit geschickt, um zu helfen, die Balance
in dieser Welt zu halten. Es gibt zwar nur wenige von uns,
doch hatte ich gehofft, dass ob meines Versagens auf und
unter dem Berg ein anderer die Bürde übernehmen würde, doch
leider ... Rincewind wollte nicht - Mittelerde ist ihm zu
humorlos. Merlin ist gerade aus gegebenem Anlass woanders
zum Lehrer in der Verteidigung gegen die dunklen Künste
ernannt worden. Und mein alter Freund Dumbledore ist noch
zu geschockt ... ob der unerwarteten Kündigung, die ihn
neulich erreichte."
In den folgenden Minuten brachten die wiedervereinten
Freunde sich gegenseitig auf den neuesten Stand. Sie
erzählten einander von Boromirs Verschwinden, von Frodos
und Rosies Entscheidung, von Gandalfs Leiden und von Pippin
und Diamond, die von Orks unter dem Zeichen der weißen Hand
verschleppt worden waren (von Pippin und Diamond hieß es
aber seitens Gandalf, dass sie gerade an ihren
augenblicklichen Aufgaben wüchsen und man sich keine Sorgen
um sie zu machen bräuchte). Man verständigte sich sodann
darauf, dass es nun am wichtigsten sei, die Rohirrim
einzuschalten und deshalb den König der Mark aufzusuchen.
Sie beeilten sich, diesen alten Wald zu verlassen und
ritten gen Meduseld, so schnell sie konnten. Was mit den
ollen Reservepferden natürlich etwas dauerte ...
Doch bald erreichten Sie Edoras, den Königssitz von Rohan,
und ritten in die Stadt auf dem Hügel ein. Eine beklommene
Stimmung war das erste, das ihnen auffiel. So beklommen,
dass sie auch einem blinden Ork aufgefallen wäre. Die Wege
waren nahezu verlassen und als sie sich Meduseld, der
Heimstatt des Königs, näherten wurden sie gewahr, dass das
sonst so emsige Gewese rund um die Königshalle völlig zum
Erliegen gekommen war. Weder Mensch noch Pferd waren auf
dem Vorplatz zu sehen und einzig ein alter Karren stand vor
der Halle, den ein Esel dort hingezogen hatte. Das einzig
bemerkenswerte an dem schäbigen Karren waren die Buchstaben
IC - HK, die die zerschlissene Plane zierten.
Die Gefährten stiegen ab und eilten, von böser Vorahnung
erfüllt, auf die Eingangstür zu. Sie verschwanden alsbald
im Dunkel der einstmals so fröhlich erleuchteten und von
Leben und Lachen erfüllten Halle. Nun war da nurmehr der
Geruch von alter zuviel Weihrauch und ... Stille.
"Holla, ist niemand hier, Gäste aus der Ferne zu
empfangen?" dröhnte der klangvolle Bass Marthas und
durchdrang das Schweigen.
"Psst, ich bitt´ euch inständig, haltet Ruhe." erklang da
eine weibliche Stimme von rechts und eine Maid trat aus den
Schatten der die Halle tragenden Säulen in das schummrige
Licht, das durch einige wenige Öffnungen in der Nähe des
Firstes fiel.
"Der König hatte wieder einen Schwächeanfall. Man darf ihn
auf keinen Fall aufregen, sagt Schwester Grímala." so
sprach die Maid als sie näher zu den Gefährten trat. "Ich
bin Éowyn, des Königs Nichte und Mündel und grüße euch in
dieser schweren Stunde."
"Schwer ist sie fürwahr, allzu schwer, wenn die
Gastfreundschaft in des Königs goldener Halle so gedämpft
in Erscheinung tritt." sagte da Gandalf. "Wie steht es um
Théoden und wer ist Schwester Grímala?"
"Sie ist des Königs Pflegerin. Sie arbeitet für den IC-HK,
die "Isen Care - Häusliche Krankenpflege Gesellschaft" und
sie sagt, dass ..."
"Sie sagt was?" fuhr eine unangenehme Stimme dazwischen und
aus einer der hinterwärtigen Türen trat eine
zusammengeschrumpfte Person, in Schwesterntracht, das Haupt
mit einem aschgrauen Häubchen bedeckt, auf dem das Emblem
einer weißen Hand im Halbdunkel schimmerte.
"Ich gebe nur weiter, was Ihr über des Königs
beklagenswerten Zustand sagt, Schwester Grímala." erklärte
Éowyn äußerst reserviert.
"Dann seid so gut", sagte die Schwester mit dem bleichen,
klugen Gesicht und den schwerlidrigen Augen, "und macht
diesen ... Herrschaften klar, dass der König der Ruhe
bedarf. Er steht nun ganz unter der beschützenden und
heilenden weißen Hand - mehr könnt Ihr nicht tun!"
"Die weiße Hand?" dröhnte Martha da. "Das ist die Hand von
Mordbrennern und Orks. Das ist die Hand, die arme kleine
Hobbits entführt und die sich zum perfiden Doktorspiel
rührt."
Gandalf lächelte nur böse und sagte "Die Weisen reden nur
über das was sie wissen, Grímala, Galmods Tochter. Oder
sollte ich besser sagen Sohn, denn ich erkenne euch als
das, was Ihr seid."
"Bitte?" bar jeden Verständnisses schien dieser Einwurf der
... 'Schwester'.
"Ich weiß das ihr ein Scherge Sarumans seid. Geht und lasst
euch hier nicht mehr blicken, alte Schlange!"
Und so wurde doch noch alles gut. Als die falsche Schwester
fortgejagt worden war, erholte sich der König in kürzester
Zeit und das Volk der Mark schöpfte wieder Hoffnung. Doch
Ach! Die dräuenden Schatten überzogen die Gemüter sofort
wieder als Gandalf und Aragorn den Rohirrim klar machten,
in welcher Situation sie steckten und dass der Sturm im
Osten bald losbrechen würde.
"Dann gibt es nur eines", fasste König Théoden sich ein
Herz, "lasst uns das Heer mustern und sofort gen Minas
Tirith aufbrechen."
"Nein, das geht nicht", warf Gandalf ein.
"Wieso nicht? Dort wird der Feind angreifen!"
"Ja, stimmt schon", Gandalf hatte ein Notizbuch gezückt,
"aber zuerst müssen wir nach Helms Klamm reiten."
"Warum?"
"In meinem Terminkalender steht es drin: 3. März, mit
Théoden in Helms Klamm treffen; 4. März, mit Théoden
Isengart befreien und" Gandalf blätterte ein paar Seiten
weiter und fuhr fort, "in Minas Tirith brauche ich dich und
dein Heer erst am 15. März wieder."
So geschah es, dass Théoden die nächstliegenden Truppen
sammelte und sich mit Aragorn, Legolas und Martha nach
Helms Klamm begab. Gandalf hingegen ritt mit der
Begründung, weitere Hilfe holen zu wollen auf dem
sagenhaften Hengst Schattenfell in eine andere Richtung.
Es war ein Gewaltritt, aber tatsächlich schaffte es die
kleine Streitmacht der Mark am 3. März in Helms Klamm
anzulangen. Helms Klamm war eine kleine, aber sehr
geschickt angelegte Festung. Doch trotzdem, wie sollte sie
von so Wenigen gegen so Viele verteidigt werden? Und
überhaupt, muss es denn wirklich zu Kampf kommen? Dabei
könnte doch jemand verletzt werden!
Doch diese Aussicht schien die Orks nicht zu schrecken, die
Isengart zu Tausenden verlassen hatten und auf die
Fluchtburg Rohans zu marschierten.
Wie sich aber herausstellen sollte, hatte Gandalf das
vorausgesehen und hatte Pippin und Diamond als seine
Stellvertreter zu einem Treffen der Grünfreundeortsgruppe
in den Fangorn geschickt. Dort wurde ein kühner Plan
beschlossen ....
ENDE DES VIERTEN TEILS
(Bochum 07/06)
Zur Zeit geht es nicht weiter ... die Erzählluft ist raus, aber vielleicht finde ich sie ja bald wieder :-)


